Vorsätze - Kurze Gedanken

geschrieben von | Mittwoch, Dezember 25, 2013 Kommentar hinterlassen
Selbst ohne repräsentatives Fundament behaupte ich, dass in den Charts neujährlicher Wünsche des schnöden Bundes-Michels das Steuersparmodell „Nikotinkonsumreduktion“, bzw. vollkommene Loslösung von diesem Laster, oberste Priorität besitzt. Wahrscheinlich dicht gefolgt vom Traum, der täglichen Darmspülung durch kühlen Gerstensaft etwas Gleichwertiges entgegensetzen zu können, um dem drögen Alltag trotzdem ein Schnippchen zu schlagen und den bereits ledernen Magen nicht weiterhin flüssigem Brot aussetzen zu müssen.

Keine Ahnung, warum uns diese Gedanken immer zur gleichen Festivität des Silvesterabends hin umtreiben, doch scheint der Wunsch von Veränderung - die wir in diesem Zusammenhang gern mit Verbesserung gleichsetzen – tief in fast jedem von uns verankert zu sein.

Weniger Nikotin, weniger Alkohol. Beim Pinkeln ins Klo treffen, beim Auto fahren nicht fluchen, der Kollegin nicht auf die prallen Brüste starren, vielleicht auch mal die Wohnung renovieren.

Ok, streichen wir mal den letzten Punkt.

Weiß der Geier, wie unendlich viele Wünsche in unseren Köpfen herumspuken. Klar nehme ich mir speziell zum Jahreswechsel - wenn auch nicht ausschließlich - einige Dinge vor, die geändert werden müssten, oder zumindest ein Überdenken wert sein sollten. Wie zum Beispiel das Rauchen aufzugeben.

Aber wenn ich an all die Leute denke, die mir so im Laufe des Tages begegnen, glaube ich fast, diese Änderungen sollten für Viele ein „Muss“ sein. Dabei eher weniger aufs Rauchen schielend. Möchtegern-Coolness-Demonstranten in Bahn, Bus und per Pedes, mit halbvollen Bierflaschen, um allen einzutrichtern, dass man dazugehört zum freidenkenden Kern der Berliner Szene. Aufs Handy glotzende Teenies, die weder bemerken, dass sie mit Freunden unterwegs sind, die sich mit ihnen vergeblich zu unterhalten versuchen, noch dass ihnen bereits der Sabber aus den Mundwinkeln auf die Schuhe eines Mit-Michels tropft.

Oder an der Supermarktkasse darauf lauernd, dass der immer noch rüstige Pensionär endlich die noch fehlenden 9 Cent-Stücke aus der Geldbörse fingern kann, um sie der mitleidig grinsenden Kassiererin auszuhändigen, während mir der keuchende Atem des hinter mir Wartenden feucht in den Nacken schlägt und mich der Gedanke befällt, ob es gleich unsittlich werden könnte.

Sitze jetzt hier und schreibe diesen Text. Und stelle mir stellvertretend für all unsere guten Neujahrswünsche vor, wie Kollege Hans-Uwe die Kollegin Annemarie mit den prallen Brüsten in die Dorfdisco entführt und sie dort mit Eierlikör gefügig macht. Nun endlich bereit, mit ihm die Koje zu teilen und sein Erbgut unter die Leute bringen zu lassen. So macht man sich also auf und einigt sich nach einem kurzen Knutschgelage im Auto, doch lieber die Bahn zu nehmen, da Hans-Uwe nicht mal das Zündschloss trifft. Und mischt sich dort mit besagten halbvollen Bierflaschen unter den Pöbel.

Nachdem die beiden in der Wohnung angekommen sein werden, wird Annemarie vor Übelkeit sofort an Hans-Uwes Tapeten kotzen. Doch der wird davon erst am nächsten Morgen etwas merken, weil er nach dem Pinkeln auf den Badboden auf ebendiesen herniedersinken und einschlafen wird.

So wie Hans-Uwe und Annemarie werden es viele niemals lassen können. Und ich zünde mir jetzt einfach zum Schreiben wieder eine Zigarette an. Hab ja genug Ausreden, weiter zu machen.

Zumindest brauche ich nicht wie Hans-Uwe meine Wände neu streichen.

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