Kommentar zu Aufnahme läuft - Filmpiraterie, Cloud Atlas, Computer Nerds und Diebstahl

geschrieben von | Sonntag, März 24, 2013 6 Kommentare
Gastbeitrag: Kommentar zum Artikel „Aufnahme läuft“ von Kerstin Kohlenberg über Filmpiraterie im Fall von „Cloud Atlas“ - ZEIT Ausgabe 7/2013 (sehr lesenswert)
bzw. verbaler Wutausbruch zu den unsäglichen Online Kommentaren dazu bei ZEIT-Online - Gastautor: Roman Gonther

Als Online-Kommentar bei der ZEIT wurde es dann leider zu lang, aber gesagt werden musste es:

„Eigentlich wollte ich ja die Fresse halten – bringt ja eh nichts - aber ich kann den radikalen Google Nerds mit ihrer Umsonstmentalität hier nicht das Feld alleine überlassen. Wenn gleich im ersten Kommentar vorgeschlagen wird Steffan Arendt solle sich mit einem Revolver ins Hinterzimmer setzten statt rum zu heulen, dann zeigt das schon aus welchen Abgründen die Kommentare hier zu uns hochblubbern.


Wortreich und mit dem immer gleichen abgedroschenen Argumenten wird hier versucht, gemeinen Diebstahl nicht nur zu bagatellisieren sondern irgendwie noch als gesellschaftlich revolutionäre Tat darzustellen, gerade so als gäbe es ein Grundrecht auf kostenlose Kinounterhaltung… als wäre es die Pflicht von tausenden von Filmschaffenden sich Tag und Nacht den Arsch abzuarbeiten, um irgendwelche übergewichtigen Computernerds zu bespaßen, die nicht nur zu faul sind ihre breiten Hintern vom Computer wegzubewegen, sondern auch noch zu geizig, um für den Spaß zu bezahlen.

„Wieso?“ so klingt es gleich im Chor, „wenn mir der Rip im Internet gefallen hat, denn bin ich doch gnädiger Weise auch mal bereit, ins Kino zu gehen oder mir die DVD zu kaufen…“ „Und“, so konnte man auf einschlägigen Forenseiten lesen „bei manchen Filmen, wie Dark Knight Rises oder dem neuen Star Trek schaue ich mir gar keine Rips aus dem Netz an“…. Gleich im nächsten Satz wird sich aber beschwert, dass im Kino ja nur noch Fortsetzungen und aufgewärmter Scheiß läuft „und dafür wollen die auch noch Geld“ – Ach! Würde ich hier jetzt versuche den Zusammenhang aufzuzeigen, käme ich mir ungefähr so blöd vor, als müsste ich einen Witz erklären, also lasse ich es.

Die „großen Filmexperten“ sind natürlich auch in der Lage, die Qualität eines Films aufgrund einer schlechten Kopie im Netz sofort zu erkennen. Hätten sie damals „Citizen Kane“, „Lawrence of Arabia“ oder „2001“ auf einer schlechten Handykopie gesehen, hätten sie sofort erkannt, dass es sich hier um Klassiker handelt… ach ja! Das Netz ist voll von Experten und genialer Köpfe… Und außerdem: Wer ein „unscharfes Bild und Mono-Mikrofonton“ gegen das wahre Kinoerlebnis eintauscht ist ohnehin „kein ernstzunehmender Filmfan“ (siehe Kommentar auf ZEIT- Online)… Muss ich jetzt wirklich erklären, dass in der Tat das Kinopublikum sich nicht aus dem erlauchten Kreis der „ernstzunehmenden Filmfans“ - oder solcher, die sich in maßloser, arroganter Selbstüberschätzung dafür halten – besteht, sondern auch und vor allem aus ganz normalen nichtswürdigen Sterblichen, die einfach nur ihren Spaß haben wollen und die überhaupt keine Verständnis dafür haben, dass sich jemand einen Film zwei Mal hintereinander anschauen könnte, egal ob er ihn zuerst als schlecht Raubkopie im Internet gesehen hat oder auf der großen Leinwand? Und muss ich jetzt auch noch erklären, dass sich der Produzent einer Multimillionen-Euro Produktion eine so überheblich, elitäre Haltung gegenüber seinem Publikum nicht leisten kann und vielleicht auch gar nicht will, weil er dieses Publikum respektiert für das er Filme macht? Ach nee! Wer da nicht von selbst drauf kommt, dem nützt es auch nichts, wenn ich das hier schreibe. Der wird wohl ewig gefangen sein in seinem kleinen Zimmerchen vor seinem Bildschirm, den er für die große weite Welt hält.

Nur so viel: Eintrittspreis ist keine Erfolgsprämie, die der gnädige „Filmfan“ zahlt, wenn ihm das dargebotene gefallen hat. Darf es auch gar nicht sein. Gezahlt wird für das Filmerlebnis, ob dieses nun im ersten Moment positiv oder negativ war. Man zahlt dafür, dass man den Film sehen darf und das ist gut so. Zum Auswählen gibt es Kritiken und Trailer… immer häufiger sogar ganze Ausschnitte… Was hätten wir sonst? Ein Kino, das sich verzweifelt bemüht dem Zuschauer auf den ersten Blick schon als schlechte Raubkopie zu gefallen… Davon gibt es - auch nicht zuletzt dank der Piraterie - leider schon viel zu viele. Einen „ernstzunehmenden Filmfan“ kann das ja wohl nicht glücklich machen. Außerdem: Mancher stellt erst Jahre später fest, dass das, was er mal gesehen hat und was ihm damals nicht gefallen hat, vielleicht doch nicht so schlecht war… Ich weiß, ich weiß! Der „ernstzunehmende Filmfan“ rennt dann natürlich sofort in die nächste Videothek, bzw. drückt den Bestellknopf, um eine legale Kopie zu erlagen und so diesem verkannten Meisterwerk doch noch die verdiente Ehre zu Teil werden lassen. Leider hat sich der Produzent eventuell schon Jahre vorher mit einem Revolver ins Hinterzimmer zurückgezogen, da er bei der Herstellung des Films Haus und Hof verloren hat, und kann so den späten Ruhm und die späte Anerkennung des „ernstzunehmenden Filmfans“ nun nicht mehr genießen.

Doch selbst der gänzlich missratene Film hat seine Berechtigung. Genüsslich kann sich der „ernstzunehmende Filmfan“ seitenweise in seinem Lieblingsforum darüber auslassen, warum denn dieses Machwerk so verheerend ist. Wenn er noch Freunde hat (nicht die tausend eingebildeten Freunde in Facebook, meine ich) kann er bei ihnen endlose Abenden mit einem Glas Wein über das Versagen das Regisseurs, der Autoren oder Schauspieler auslassen oder einfach nur mit Blick auf das vermeintlich mangelhafte sein Sinne für das Ware, Schöne und Gute schärfen. All das ist zweifelsohne Teil der großen Kinounterhaltung und jeden Cent wert.

Doch es geht nicht nur um Geld und das ist ein völlig vergessener Teil in der ganzen Debatte. Anders als der inhaltliche Schaden, der im besagten“ Zeit“-Artikel sehr plastisch dargestellt wird, ist es in der Tat schwierig, den finanziellen Schaden auf Euro und Cent zu beziffern. Nein, es geht noch um etwas anders und das ist für jemanden der es nie unternommen hat, auf professionelle Weisen einen Film zu produzieren (also nicht mit Kumpels ein Youtube Video auf dem Smartphone), nicht ganz leicht nachvollziehbar. Alle meine Kommentatoren bei ZEIT- Online haben zumindest bewiesen, dass sie davon keinen blassen Schimmer haben. „Cloud Atlas“ als Stefan Arendts „Kind“ zu bezeichnen ist allenfalls auf rationaler Eben eine leichte Übertreibung. Ich würde sogar behaupten, der überwiegende Teil der Eltern in unseren Breitengraden nimmt weniger Mühen, Strapazen und vor allem Risiken auf sich, um ein Kind in die Welt zu setzten, als ein Produzent der einen Film dieser Art macht. „Selbst Schuld“ kann man jetzt zynisch sagen. „Es zwingt sie ja keiner.“ Das ist natürlich richtig, zeigt aber umso deutlicher, wie sehr die Analogie zum Kind zutrifft. Aber letztlich profitiert ja nicht nur der „ernstzunehmende Filmfan“ davon, dass es solche Leute gibt und hätten sie nur ein bisschen Ahnung davon, würden sie verstehen, warum Stefan Arendt wie jeder Vater in Bezug auf sein Kind nicht immer rational sondern auch emotional reagiert. Und während er dazu jedes Recht hat, haben die „ernsthaften Filmfans“ absolut kein Recht dazu, ihn in der Form mit Spott und Häme zu überziehen.

Und mehr noch: Stefan Arendt hat sich mit harter Arbeit und großem finanziellen Risiko das verdammte Recht erworben, darüber zu entscheiden, wo, wann, in welcher Weise und mit wessen Unterstützung er sein „Kind“ der Welt präsentiert. Und natürlich tut es weh, wenn dieses „Kind“ von irgendwelchen Digitaltrollen in die Höhlen des Internets entführt wird und er sich ansehen muss wie es mit einem Handy abgefilmt auf irgendwelchen Downloadplattformen umzingelt von Fickbildern, die für Pornoseiten werben, entstellt, missbraucht und vergewaltigt wird. Angefeuert von den „ernsthaften Filmfans“ die irgendwie glauben, sie hätten ein ungeschriebenes Grundrecht darauf, überall und jeder Zeit Zugriff auf diesen Film zu haben, die ihre Illegalen Downloads immer wieder damit rechtfertigen, dass der Film in anderen Ländern doch schon rausgekommen wäre… „buhäää… voll gemein!“… Lasst mich sagen: Ihr habt einen Scheiß! Ihr habt das Recht, geduldig zu warten, bis ihr eingelassen werdet. Und wisst Ihr was? Der Film wird dadurch nicht schlechter. Im Gegenteil!

Man stelle sich vor, man ist zu einem schönen Essen eingeladen. Alles ist festlich gedeckt und während der Koch stolz mit Musik und freundlichen Worten den Vorspeisensalat präsentiert, stürzt der entfesselte Haufen der Digitaltrolle am Personal vorbei in die Küche und frisst den Hauptgang und die Nachspeise halb roh direkt aus dem Töpfen… Na guten Appetit.“

Danach ging es mir besser…

6 Kommentare:

Peter Gallert hat gesagt…

recht hast du. es ist, als würde man einen witz erkllären müssen.

Patty97 hat gesagt…

ich versteh dich nich. warum soll ich für was zahlen was ich auch umsonst bekommen kann? ich bin doch nich krösus.

The Producer hat gesagt…

Du wirst das jetzt bestimmt nicht verstehen, aber der Kommentar da oben ist eindeutig nicht FÜR Leute wie Dich, sondern ÜBER Leute wie Dich geschrieben. Es tut mir leid, aber ich kann hier nicht in wenigen Zeilen wieder gutmachen, was Deine Lehrer in 10 Jahren verpasst haben.

Patty97 hat gesagt…

pack dir deine schlauen sprüche doch irgendwo hin. ich hab bestimt 10 mal so viele filme gesehen wie du dir gekauft hast. wer ist jetzt der blöde?

Lakki Luuk hat gesagt…

deine freundin kann ich bestimmt auch umsonst vernaschen, oder? oder nimmt die kohle? ich mein: ich bin ja nicht krösus! 

lakki luuk hat gesagt…

Du solltest nicht so viele Filme gucken. In der Zeit habe ich es deiner Freundin oft genug besorgt. Na, wer ist jetzt der Blöde?! ;)

Bitte benutzt die Funktion anonym nur in Ausnahmefällen - die Einstellung Name/URL kann auch ohne URL genutzt werden, ist persönlicher und dennoch anonym. Danke!