„Isch mach dein Schniedelwutz Messer“ - Kurze Gedanken

geschrieben von | Samstag, August 25, 2012 1 Kommentar
Sicher: "Schniedel den Wutz" ist die Verdrehung und Erweiterung von "Schniedelwutz", eines Wortes, welches es eigentlich gar nicht gibt, obwohl jeder weiß, was damit gemeint sein könnte.
Doch "eigentlich" ist ein beknacktes Wort und die Überschrift hat mit meinem kurzen Aufreger (glaube und hoffe ich zumindest) nichts zu tun. Aber scheinbar gewöhnen wir uns an alles.
Zum Beispiel an: "Es macht Sinn!", was wohl auf der gleichen Stufe wie "Das tut richtig sein!" steht. Auch über "tote Leichen" verziehen wir kaum noch den Mundwinkel.


Wenn der Waidmann friedlich durch die Wälder schnürt und über das Gehänge seines besten Freundes streicht, bis diesem der Lecker aus dem Äser hängt, so mag dies verwirrend klingen. Ist ja auch in der Wortzusammensetzung nicht ganz richtig. Übersetzt streift unser Tierfreund durch den Wald und streichelt seinem Hund über die Ohren (nebst Kopf), bis diesem vor Freude die Zunge aus der Hundeschnauze hängt. Nun bleibt die "Jägersprache" durch seine Begrifflichkeiten durchaus gewöhnungsbedürftig, hat aber seinen nachvollziehbaren Ursprung.

Viel schlimmer ist eine neue Sprache, die sich mehr und mehr in einigen Köpfen zu etablieren scheint und bisher noch als namenloses Unding bezeichnet werden kann. "Ich mach dich Messer" ist dabei eher die Ausnahme, vielleicht etwas provokativ, jedoch böserweise in gewissem Maße noch verständlich. Ohne dabei weitere Umstände kennen zu müssen, sollte man sich aus dem Staub machen, wenn man sich derart angesprochen fühlen sollte.

Mitunter wird dieses "Deutsch" als "Kiezdeutsch" bezeichnet und war es einigen Menschen / Institutionen Wert, Zeit zu investieren und Studien anzustoßen. Wobei mich Ergebnisse mit Betitelungen wie "Kreativität" und "Chance für die deutsche Sprache" arg ins Grübeln bringen.

Mehr von Michael Jordan: DämmerungWer sich ein eigenes "Bild" machen möchte: Die Berliner U-Bahn ist für den aufmerksamen Lauscher eine hervorragende Anlaufstelle, Beispiele dieser Gruselform deutscher Sprache zu erhaschen.
"Ischwör Alter, war so!", "Geh ich Automat!", "Musstu Frisör!", ...
Bestimmt zu wenige Beispiele.

Aber im Grunde ist es durchgehend das Weglassen von Wörtern, bzw. eine Umsortierung innerhalb eines "Satzes" und möglichst die Verwendung von Zischlauten, für die man früher zum Logopäden geschickt wurde.
"Fratzengeballer" = Schlägerei.
"Das ist fett!" = toll

Genug. War ja nur ein kurzer Gedanke.
Mit der Hoffnung, dass man sich selbst nicht vielleicht doch früher oder später einige "Formulierungen" zu eigen macht, da diese ja auch über einen "nachvollziehbaren Ursprung" verfügen.
Sicher bin ich zu konservativ.
Ich geh Kaffeemaschine.

1 Kommentare:

Aufreger hat gesagt…

Bro, der is wirklich krass Kaffeemaschine, ich schwör!

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